Kleine Saale

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Die Kleine Saale ist ein der Saale abgezweigter Kanal zur Versorgung des Klosters St. Maria ad Portam bei Naumburg (Saale). Ihre Entstehungsgeschichte ist derzeit noch ungeklärt und wird von führenden Historikern wie Dr. Holger Kunde und Samuel Winkler untersucht. Bisherige Betrachtung von W. Corssen (1868) oder R. Pahncke (1956) schneiden die Geschichte der kleinen Saale in ihrer Literatur lediglich an und widersprechen sich inhaltlich zum Teil.

Präambel

Die hierunter aufgeführte historische Darstellung zur Entstehung der kleinen Saale basiert auf Urkunden aus dem Mittelalter, deren Echtheit zum Teil nicht nachgewiesen oder gar widerlegt worden ist. Der gewählte Geschichtswissenschaftliche Ansatz an die Problematik fehlender, unvollständiger und/oder gefälschter Quellen ist an dieser Stelle, die wahrscheinlichsten Wahrheiten des vorhandenen Urkunden- und Quellenmaterials zu ergründen. Eine Garantie auf Richtigkeit besteht allerdings nicht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die in Fälschung dieser Zeit üblich getroffenen Fehldatierungen hauptsächlich zu monetären Zwecken getroffen wurde. Ob dies im Falle der kleinen Saale von Belang ist, ist deshalb noch nicht hinreichend geklärt. Es steht aber inzwischen außer Frage, dass die kleine Saale ein Werk der Pfortenser Mönche ist. Wenngleich die zeitliche Absteckung ungewiss bleibt.

Weiterhin gilt darauf hinzuweisen, dass der unten aufgeführte Kenntnisstand jeweils den Stand der Recherche von Samuel Winkler widerspiegelt und sich zu teilen gravierend von dem aktuellen Stand der Forschung unterscheidet. Das Wiki Schmuel stellt keine adäquate Sekundärquelle dar.

Entstehungsgeschichte

Die Geschichte zur Entstehung der kleinen Saale ist in der bestehenden Literatur sehr unvollständig aufgeführt. Um allen Historikern, die sich mit der Forschung an der Geschichte des Klosters Namenhaft machen konnten einmal anzuhören sei hier aufeinanderfolgend die Darstellung von W. Corssen der Darstellung von R. Pahncke gegenübergestellt. Wenngleich sich herausstellen soll, dass W. Corssen gravierende Fehler in seiner historischen Arbeit geleistet hat, gilt es dennoch festzuhalten, dass diese Fehler keineswegs aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Befähigung zustandekamen, sondern vielmehr aufgrund der im 19. Jahrhundert noch wesentlich dünneren Verfügbarkeit von verlässlichen und korrekten Quellen.

Nach Corssen

Corssen schreibt in seiner historischen Abhandlung: "Alterthuemer und Kunstdenkmale des Cisterzienserklosters St. Marien und der Landesschule zur Pforte" zur kleinen Saale:

"Die erste Kultur drang, so viel wir wissen, in diese abgelegene Waldecke, als im Jahre 1103 die Benedictiner Mönche von St. Georg zu Naumburg mit Erlaubnis des Bischofs Walram von Naumburg aus der Saale dicht über dem Kösener Wehr einen Mühlgraben [...] ableiteten, denselben nördlich um den Höhenzug der Windlücke herumführten und von da am Wolfsgeschlinge entlang bis unterhalb Almrich, wo er wieder in die Saale mündete, um an dieser Stelle eine Mühle anzulegen."
Corssen, 1868

Corssen stützt sich mit seiner Behauptung auf die Urkunde Nr. 38 aus Lepsius, Geschichte des Bischofs S. 235, in welcher es heißt:

"Ad eorundem fratrum subsidium per terras ecclesie nostre aquaeductum fieri concessimus, ut in eo videlicet molendinum statuant."
Lepsius

Frei Übersetzt bedeutet der Text:

"Den Brüdern unserer Kirche wird Land gewährt, sodass sie mittels eines Kanals Mühlen betreiben können werden"

Die Übersetzung von "aquaeductum fieri" lässt laut Corssen nur die Deutung zu, dass es sich hierbei um einen künstlich angelegten Kanal handeln muss. Mangels Belege für die Existenz anderer Kanäle schlussfolgert Corssen, dass es sich hierbei nur um die kleine Saale handeln kann. Pahncke entgegnet zu dieser Haltung jedoch im Jahr 1995:

"Wendet jemand ein, aus der Kenntnis der Spezialliteratur, dass die kleine Saale ein Werk der Mönche von St. Georgen in Naumburg sei, so sei dem entgegnet, dass diese wiederholte Behauptung heute als endgültig unrichtig nachgewiesen ist. Es müsse ja dann auch nachgewiesen werden, dass die Mönche von St. Georgen das Kösener Wehr erbaut hätten, lange vor dem Erscheinen der grauen Brüder im Saaletal. Wir wissen inzwischen, dass das Domstift Naumburg und das Kloster St. Marien in Almrich gemeinsam ein nun verschwundenes besessen haben und dass von diesem Wehr aus der Mühlgraben von St. Georgen abzweigte."
Pahncke, 1995

Seither gibt es keinen bekannten Beweis dafür, dass die Mönche aus St. Georgen einen Kanal errichtet haben, der das Ausmaß der kleinen Saale, geschweigedenn dessen exakte Position, tangieren würde. Es wäre, wie Pahncke korrekt erklärt, auch eine technische Unmöglichkeit, einen Kanal dieser Größe zu führen, ohne dabei eine Anstauung, also ein Wehr, bei Kösen zu errichten. Wie Pahncke in seinen Ausführungen beschreibt, wurde dieses Wehr jedoch erst 1180 genehmigt. Die historische Darstellung von Corssen an dieser Stelle sei damit als zweifelhaft indiziert.

Nach Pahncke

Pahncke bemüht sich bei seiner historischen Arbeit sehr darum, nicht nur den aktuellen Kenntnisstand der Forschung darzustellen, sondern dabei auch im besonderen auf bereits vorhandene Literatur einzugehen und dabei verschiedene Missverständnisse aufzuklären. Ihm verdanken wir die korrekte Einordnung der historischen Betrachtung von Corssen. Jedoch verfängt er sich in seiner historischen Darstellung betreffs der kleinen Saale in teilweise widersprüchliche Aussagen, die hier aufgezeigt werden sollen.

"Im Jahre 1180 kommt ein Vertrag zwischen dem Kloster und einem Ritter Kunemund von Vargula unter der Schirmherrschaft des Landgrafen Ludwig III von Thüringen zustande. [...] Wollen die Mönche die Saale anstauen, so müssen sie sich mit dem gegenüberliegendem Grundbesitzer, dessen Ländereien in der Talaue liegen, verständige. Das geschieht durch den genannten Vertrag."
Pahncke, 1995

Dieser Vertrag soll jedoch nicht als Grundlage für die Annahme dienen, dass der Bau der kleinen Saale erst mit abschluss des Vertrages beginnen konnte. In dem Vertrag von 1180 heißt es:

"Über die Befestigung ihres Mühlenwehres von dem Ufer aus, das in ihrem Besitz ist, bis zu dem gegenüberliegenden Ufer, das an seine Ländereien stößt."
Vertrag von Vargula, 1180

Folglich war das Wehr im Jahre 1180 bereits vorhanden und war zudem zweckdienlich zum Betreiben einer Mühle. Da es heute keine Urkunden gibt, die den Bau des Wehres bei Kösen durch die Zisterzienser bestätigt, trifft Pahncke einen Versuch der Annäherung. Hierzu stellt er fest, dass der Abt Adelodus, der "von Herrn Kunemundo die Macht und Gewalt erkauft [hat], dass er mögen ein Wehr bauen" von 1168-1186 amtiert hat, also im Zeitraum von 1168 bis 1180 das Wehr entstanden sein muss. Gestützt wird diese Annäherung durch die erste urkundliche Erwähnung des Wehres aus dem Jahr 1172. In dieser Urkunde wird von der "firmare" des Wehres gesprochen Diese Vokabel gibt laut Pahncke aufschluss darauf, dass es sich hierbei um einen letzten Arbeitsschritt gehandelt haben muss:

"[...] dann heißt firmare hier soviel wie Befestigung des im Bau befindlichen Wehres mit einer soliden, massiven, Steinpackung; das wäre also, zeitlich gesehen, nichts weiter als der letzte Bauabschnitt, und die Übersetzung mit "ausbessern" oder "überhöhen" wäre genauso abzulehnen wie die mit "erbauen" versuchte."
Pahncke, 1995, S. 185

Diese historische Darstellung scheint aus heutiger Sicht nach wie vor sinnvoll zu sein und ist der Grundstein heutiger herangehensweisen. Einzig verwirrend scheint in diesem Zusammenhang, dass Pahncke nur wenige Seiten später die Behauptung auflegt: "Die kleine Saale entstand bald nach 1138." Die Aussage könnte damit zu entschuldigen sein, dass es sich hierbei um einen fatalen Tippfehler handelt, denn der zuvor gesetzte Konsens geht von einer Errichtung der kleinen Saale um 1168 aus. Denkbar wäre, dass Pahncke hier ein Tippfehler unterlaufen ist, da nicht weiter auf diese neue Datierung eingegangen wird. Möglich ist aber auch, dass er den Bau des Flussbetts der kleinen Saale auf 1138 datiert, und der Bau des Deiches erst 1168 begann. Da es hierfür allerdings keine Stichhaltigen Belege gibt, kommt der Jahreszahl 1138 keine größere Bedeutung zu.

Nach Kunde

Im Jahr 2003 veröffentlicht Dr. Holger Kunde eine historische Abhandlung über die Urkundenfälschungen des Zisterzienserklosters Pforta. Aus ihm geht hervor, dass ein großteil der Urkunden, im Besonderen betreffs der Gründung des Klosters St. Maria ad Portam fälschungen sind. Kunde ist allerdings der Auffassung, dass der 1180 entstandene Vertrag mit Valgura keine Fälschung ist und deshalb als Quelle seiner Arbeit dienen kann. Demnach widersprechen sich Kunde und Pahncke hinsichtlich der Geschichte des Wehrbaus und der kleinen Saale nicht.

Nach Winkler

Der hat noch gar keine Ahnung.

Verwendung

Bei der Wahl eines Siedelungsgebietes zwecks Errichtung eines Klosters spielte die Abgeschiedenheit für die Zisterzienser des Mittelalters eine sehr große Rolle.

"Die Klosterbauten wurden häufig in Tälern, abgelegen von Siedlungen, aber auch belebten Verkehrswegen errichtet. Dabei ging man an Bach- oder Flussläufen meist soweit wie möglich aufwärts, um Wasser und ein ebenes Gelände für die Klosteranlage und deren Wirtschaftsbetrieb zu besitzen."
Eberl, 2002, S. 194

Diese von Eberl angegebene Tendenz lässt sich auch im Kloster Pforta nachvollziehen, wobei hier auffällig ist, dass das Kloster selbst nicht unmittelbar am Flusslauf der Saale angesiedelt ist. Erst spätere Bauten wie etwa das Fischhaus wurden direkt an der Saale platziert. Die Kirche selbst befindet sich einen halben Kilometer von der Saale entfernt. Ursache hierfür ist, dass das Saaletal bei Pforta großflächig von Sümpfen bedeckt war. Die Pfortenser Mönche kultivierten das Land erst im Laufe der Zeit. Der Saaledamm lässt sich auf das Jahr 1302 datieren.

Um das bebaubare Land 500m südlich der Saale mit Wasser zu Versorgen und einen direkten Zu- und Abfluss zu ermöglichen, war ein Kanalbau die praktikabelste Lösung. Allerdings war der Hauptzweck der kleinen Saale, wie sich beispielsweise aus dem Vertrag von Vargula lesen lässt, die Errichtung von Mühlen entlang der kleinen Saale. Laut Pahncke (1995) gab es im Saaletal nicht weniger als acht Mühlen, die von den Zisterziensern betrieben wurden. Mindestens vier Mühlen muss es entlang der kleinen Saale gegeben haben: Eine in unmittelbarer Nähe zum Wehr bei Kösen, welche noch heute erhalten bzw restauriert ist; eine in Pforta, ebenfalls erhalten und anzuschauen beim Mühlteich; eine vor Almrich, inzwischen zerstört aber urkundlich eindeutig nachweisbar, und eine unmittelbar vor der Mündung der kleinen Saale in die Saale. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass es noch weitere Mühlen - langfristig oder zwischenzeitig - gegeben hat, die heute nicht mehr nachzuvollziehen sind.

Die kleine Saale ist deshalb durchaus nicht nur als Zu- und Abfluss von Wasser zu betrachten, sondern als ein wichtiger Energielieferant zur Verarbeitung von Weizen. Allgemein ist es auch unwahrscheinlich, dass die kleine Saale überhaupt Trinkwasser lieferte. Es ist wahrscheinlicher, dass zum Zwecke der Trinkwasserversorgung die heutige Klopstockquelle verwendet wurde.

Literatur

  • Corssen, 1868: "Alterthuemer und Kunstdenkmale des Cisterzienserklosters St. Marien und der Landesschule zur Pforte"
  • Pahncke, 1956: "Schulpforte"
  • Elm et al, 1980: "Die Zisterzienser. Ordensleben zwischen Ideal und Wirklichkeit"
  • Badstübner, 1992: "Kirchen der Mönche: Die Baukunst der Reformorden im Mittelalter"
  • Eberl, 2002: "Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens"
  • Kunde, 2003: "Das Zisterzienserkloster Pforte: die Urkundenfälschungen und die frühe Geschichte bis 1236"
  • Arbeitskreis WaZi, 2003: "Die Wasserbaukunst der Zisterzienser im Kloster Loccum"
  • Knapp, 2016: "Die Zisterzienser und das Wasser"